Patient #737 
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Theodosia Margery Burton
21. Juni 1978
Steelskin Syndrome
● ◐ ○ ○ ○
10. Klasse
Kimiko Glenn

vergeben

Theodosia fühlt zwar keinen Schmerz, doch dank der eher geringen Ausprägung spürt sie wenigstens noch ein leichtes Kribbeln, das ihr signalisiert, wenn irgendetwas mit ihrem Körper nicht stimmt.

+ einfühlsam
+ fröhlich
+ selbstlos

- sensibel
- leicht reizbar
- aufbrausend

Theodosia hat schon früh begonnen, ihre liebsten über sich selbst zu stellen, und damit hat sie bis heute nicht aufgehört. So probiert sie, gerade an einem so bedrückenden Ort wie dem Sanctuary stets so optimistisch wie nur möglich zu wirken, denn ihrer Meinung nach müssen besonders diese armen Kinder mal einfach nur glücklich sein. Jedoch stellt sie sich dabei oft selbst zu sehr in den Schatten, bis es irgendwann nur noch sehr wenig braucht, um ihre Seifenblase aus Glücklichkeit zum Platzen zu bringen – und wenn dies erstmal geschehen ist, ist es besser, so weit wie nur möglich von ihr Abstand zu nehmen...

Agnes Burton und Jun Matsushita lernten sich schon während ihrer gemeinsamen High School-Zeit kennen. Sie war Cheerleaderin und er im Footballteam der Schule, und so waren sie schon fast dazu bestimmt, irgendwann mal etwas miteinander am Laufen zu haben – und genau dies trat auch im letzten Jahr der beiden ein. Und anders als zu Beginn erwartet hielt diese Beziehung länger als ein paar Monate. Die jungen Liebenden wählten das gleiche College unweit von ihrem Heimatsort in Illinois, und zogen später auch zusammen. Jeder, der die beiden kannte, hätte sie als das perfekte Paar bezeichnet – dass die beiden insgeheim schon lange realisiert hatten, dass zwischen ihnen inzwischen mehr freundschaftliche als romantische Gefühle lagen, ahnte niemand. Jedoch wollte keiner der beiden dies zugeben, nicht mal einander, weswegen sie ein Paar blieben, das sich zwar liebte, aber eben nicht auf die Art, wie es bei einem Paar dieser Art sein sollte.

Es kam, wie es kommen musste, und Agnes wurde mit ihren jungen 25 Jahren von Jun schwanger, und diese ‚frohe Botschaft' weckte in den beiden etwas, das wohl schon lange vorher hätte geweckt werden sollen. Nach und nach realisierten Agnes und Jun, dass sie es nicht schaffen würden, das Kind grosszuziehen und ihm dabei vorzugaukeln, ein glückliches Paar zu sein. Jedoch waren sie sich auch einig, dass ihr Kind in einem liebevollen Umfeld aufwachsen sollte und dass das Verhältnis der beiden dies niemals beeinträchtigen sollte. Das Paar beschloss nach langem Überlegen, dass das die beiden sich wirklich trennen, jedoch nur unmittelbar voneinander entfernt leben sollten, damit das Kind bei beiden Eltern aufwachsen konnte. Und so zog Jun von der gemeinsamen Wohnung der beiden in die darüber liegende, während Agnes in der alten Wohnung blieb.
Wenige Monate später wurde Theodosia Margery Burton in einer klaren Sommernacht geboren. Agnes gab ihrer Tochter den Namen ihrer Grossmutter, den Zweitnamen wählte Jun – das Kind bekam den Nachnamen seiner Mutter, was die beiden schon Wochen zuvor nach einer eher hitzigen Diskussion beschlossen hatten. Das Baby war zum Zeitpunkt seiner Geburt kerngesund, und, laut den Erzählungen seiner Eltern, schon damals zuckersüss. Drei Tage nach seiner Geburt fanden die Ärzte des Krankenhauses, in dem es geboren worden war, dass es nach Hause gehen durfte, und kurz darauf sah Theodosia ihr Zuhause zum ersten Mal.
Theodosia war ein grossartiges Kind für zwei Eltern, die eigentlich keine Ahnung hatten, wie sie ihr Kind erziehen sollten – ruhig und so anspruchslos, wie es einem Baby eben nur möglich war. Sobald sich ihre beiden Eltern erstmals an ihr neues Dasein als Eltern gewöhnt hatten, ging es praktisch nur noch bergauf mit Klein-Theo. Das Mädchen wuchs wohlbehütet auf, stets von beiden Eltern geliebt, selbst wenn die beiden sich nicht mehr liebten – ganz so, wie es sich die beiden vor Theodosias Geburt gewünscht hatten.
Lange ahnte niemand, dass dieser kleine Sonnenschein von einem Kind anders als die anderen Kinder war. Ein geübtes Auge hätte vielleicht schon früher erkannt, dass Theodosia nicht wie andere Kinder weinte, wenn sie von der Schaukel fiel und sich den Ellenbogen aufschürfte, oder viel länger brauchte, um zu verstehen, dass man Herdplatten nicht einfach so anfassen durfte, doch Theodosias Eltern waren blind dafür. Agnes und Jun fanden immer wieder Ausreden für die Schmerzunempfindlichkeit ihrer Tochter – sie war immer nur ein äusserst tapferes Mädchen, oder sie brauchte einfach etwas länger, um gewisse Dinge zu verstehen. Erst, als Theodosia mit dreieinhalb Jahren unglücklich stürzte, sich dabei den Arm brach und danach aufstand, als wäre nichts passiert, begannen ihre Eltern, sich Sorgen zu machen. Im Krankenhaus wurde das kleine Mädchen gefragt, wie schlimm sie ihren Schmerz auf einer Skala von eins bis zehn fand, und als sie mit einer eins antwortete, machte sie alle Menschen um sich herum, sowohl die Ärzte als auch ihre Eltern, ratlos. Damals verstand Theo noch nicht, dass dies nicht normal war – sie glaubte, dass alle Menschen nicht mehr als dieses witzige Kribbeln fühlten. Sie wurde durch die Reaktionen ihrer Mitmenschen verunsichert, hatte sie doch keine Ahnung, warum alle plötzlich so besorgt waren, und es brauchte lange, bis ihre Mutter sie wieder halbwegs beruhigen konnte. Diesen Tag und die darauffolgende Nacht im Krankenhaus würde Theodosia nie vergessen: es war das erste Mal gewesen, dass sie sich für ihr Anderssein schlecht gefühlt hatte.
Wahrscheinlich hätte Theodosia schon nach ein paar Tagen mit einem Gips um den Arm aus dem Krankenhaus entlassen werden können, wenn da nicht ein gewisser junger Arzt gewesen wäre, der eine Idee hatte, weshalb das Mädchen keinen Schmerz empfand. Er hatte erst vor kurzem von einem Ort in Montana gehört, welcher Kinder, die ähnliche unerklärliche Fähigkeiten wie Theodosia besassen, aufnahm und sich um diese kümmerte. Da Agnes und Jun genauso ratlos wie die Ärzte des Krankenhauses waren, willigten sie darauf ein, ihre Tochter auf eine dieser Mutationen testen zu lassen. Darauf folgten viele weitere Untersuchungen an dem kleinen Mädchen, das Krankenhäuser nach wie vor unheimlich und beängstigend fand, bis schlussendlich tatsächlich die seltene Genmutation an ihr diagnostiziert wurde. Die Vertreter des sogenannten Serenity Sancuary rieten den beiden Eltern, ihr Kind in das Sanctuary zu schicken, wo es in einem behüteten und seiner Mutation angepassten Umfeld aufwachsen könnte. Anfangs weigerten sich die beiden strikt, ihre geliebte Tochter so weit weg fortzuschicken, doch nach gut einem halben Jahr sahen sie ein, dass es wohl das Beste für die kleine Theodosia war, wenn sie im Sanctuary aufwuchs. Ihre Entscheidung, ihr Kind fortzugeben, wurde letzten Endes hauptsächlich durch die Angst bestimmt, dass Theodosia ohne die richtige Hilfe viel zu viele gefährliche Dinge geschehen könnten. So liessen Agnes und Jun Theodosia schweren Herzens gehen, und im Sommer 1982 betrat Theo das Sanctuary zum ersten Mal.
Die ersten Wochen im Sanctuary waren hart für Theodosia, so vermisste sie doch ihre Eltern und ihr Zuhause unglaublich sehr. Jedoch realisierte das kleine Mädchen schon bald, dass es den anderen Kindern an diesem Ort nicht anders ging. Theodosia hatte sich schon immer sehr um ihre Mitmenschen gesorgt, und für sie gab es nach ein paar weiteren Wochen nichts Traurigeres mehr, als ihre Mitschüler und -schülerinnen so traurig zu sehen. Als sie nach und nach realisierte, dass niemand etwas an der Traurigkeit änderte, setzte sie es sich zum Ziel, es wenigstens zu probieren, diese Kinder glücklich zu machen. Und ihrer Meinung nach ging das am leichtesten, wenn sie sie mit ihrer eigenen Fröhlichkeit ansteckte. Also gab sich Theodosia fortan stets Mühe, das Beste aus ihrer traurigen Situation zu machen und dabei ihre Genossen und Genossinnen mitzureissen. An dieser Mentalität, dass wenigstens eine Person so tun musste, als ob alles gut wäre, änderte sich bis heute nichts mehr.
Während Theodosias erfrischend optimistische und fröhliche Art tatsächlich vielen Leuten half, begannen andere, sie dafür zu verabscheuen, denn nicht jeder kam mit dieser oft sehr gespielten Haltung klar. So begannen sich die Meinungen über Theo im Sanctuary sich zu spalten, was dem Mädchen selbst allerdings ziemlich egal war. Ihr genügte es schon, wenn sie einem Bruchteil ihrer Mitmenschen half, auf welche Art auch immer.
Während Theodosias erfrischend optimistische und fröhliche Art tatsächlich vielen Leuten half, begannen andere, sie dafür zu verabscheuen, denn nicht jeder kam mit dieser oft sehr gespielten Haltung klar. So begannen sich die Meinungen über Theo im Sanctuary sich zu spalten, was dem Mädchen selbst allerdings ziemlich egal war. Ihr genügte es schon, wenn sie einem Bruchteil ihrer Mitmenschen half, auf welche Art auch immer. Natürlich schaffte Theodosia es nicht, konstant glücklich zu bleiben – eben wenn man so krampfhaft versucht, glücklich zu sein, wird es umso leichter, diese Illusion des Glücks zu zerstören. So wurde Theodosia mit der Zeit zu einem ziemlich reizbaren Menschen. Je länger sie am Sanctuary lebte, je mehr Zeit sie in den Kellern des Ortes verbrachte und je mehr ihrer Mitschüler dasselbe taten, desto leichter wurde es, das Fass für sie zum Überlaufen zu bringen. Während ihrer Zusammenbrüche schottete sich meist von der Umwelt ab, schliesslich sollte diese nicht von ihrer eigenen Traurigkeit angesteckt werden. Dass sie es damit in Wahrheit nur noch schlimmer machte, dass sie dann eigentlich nichts mehr als ein wenig Zuneigung brauchte, wollte sie sich selbst nicht eingestehen. Inzwischen lebt Theodosia schon seit über zehn Jahren im Sanctuary, und den Ruf des Sonnenscheins, der sich während ihrem ersten Jahr an dem Ort entwickelt hatte, bleibt bis heute bestehen, selbst wenn es immer öfter vorkommt, dass sie ohne Begründung aus einem Klassenzimmer stürzt oder sich in den Schlaf weint. Sie vermisst ihre Mutter und ihren Vater sehr und wünscht sich, sie öfters sehen zu können – wahrscheinlich würde es ihr auch besser ergehen, wenn diese nicht so weit weg leben würden, wie sie es eben tun. Doch solange die beiden, wie so viele andere Eltern mit Kindern in der Schule, abwesend sind, ist es Theos Aufgabe, sich um ihre Freunde zu kümmern. Und so schnell kann ihr das niemand mehr ausreden.